Microsoft, Mixer und das Aus

Es gibt Dinge, die sollte man niemals anfassen, wenn man absolut keine Ahnung von der Materie hat - auch wenn die Firma, die man da kaufen kann durchaus Geld in den eigenen Beutel spühlen kann. Während der Platzhirsch Twitch.tv Milliarden an Umsatz in die Kassen von Amazon spühlt, hat Microsoft sich des damals kleinen Streaming Dienstes "beam" angenommen. - Immerhin hatte beam die "FTL"-Technologie entwickelt, mit der die Streamer/Zuschauer Interaktion von einer guten Minute auf unter 10 Sekunden geschrumpft ist, was durch kaum bearbeitung der Rohdaten des Streamers erreicht wird. - Übrigens etwas, mit dem YouTube sich nicht anfreunden will. Die codieren den Livestream fröhlich um.

Beam war ein ambitioniertes Projekt und hat etliche Streamer zu sich gezogen, immerhin war es familiärer, freundlicher und das Partnerprogramm schien besser für die Streamer zu sein als bei Twitch. So kam es, das ich den ersten Kontakt mit beam vor über 5 Jahren hatte, als ChaosChunk dorthin wechselte - bevor er das streamen dann irgendwann gänzlich aufhörte. Aber das ist eine andere Geschichte, für ein anderes Mal. Beam wurde 2016 von Microsoft akquiriert und dann relativ schnell in Mixer umbenannt.

Mixer stand nun, mit etlichen Milliarden an Investionsgeldern, die man nutzen konnte, gut gegen den omnipräsenten Koloss Twitch dar. Und man schaffte es auch einige der größenen Namen von Twitch abzukaufen. Weder Shroud noch Ninja kann ich es verdenken die Millionen, die ihnen geboten wurden, nicht abzulehnen. Doch das half der Community von Mixer in keinster Weise. Da der Streaming-Dienst zwangsweise als App auf die Xbox One zu geschnitten wurde, war der Otto-Normal User der Desktop PC's für Microsoft uninteressant. Ein Fehler von vielen, aber der Sargnagel kam dann dieses Wochenende.

Ich finde die Quelle für die Aussage nicht, aber angeblich soll eine Community Managerin die ihr zugeteilten Partnered Streamer als 'ihre Sklaven' bezeichnet haben - was einen Shitstorm auf Twitter ausgelöst hat. Bei all den Sachen, die Momentan so vor sich gehen, sicherlich nicht die beste Publicity, aber die Art und Weise, wie Microsoft darauf reagiert hat... Schwanz einkneifen ist eine sehr freundliche Umschreibung dessen. Anstelle das Problem, das übrigens nicht nur bei Mixer existiert, an zu gehen, wird der Laden kurzer Hand einfach geschlossen. Chicken Out nennen die Amerikaner solches Verhalten. Ich finde es verantwortungslos und zeigt wie wenig Rückgrat der Software-Gigant aus Redmond hat.

Dennoch ist die Reaktion wohl einfach nur eine Vorverlegung der Pläne gewesen, die Microsoft bereits hatte, den mal so eben einen Deal mit Facebook machen, gerade wo es um Milliarden von Dollar geht, ist nicht über Nacht passiert.

Hier kommt jetzt aber noch etwas hin zu, was, glaube ich, kaum jemand auf dem Schirm hat. Microsoft war sehr erpicht darauf, das man seinen Mixer-Account mit seinem Microsoft-Konto verbindet. In dem nur sämtliche Zahlungsinformationen, Adressdaten und Hardware Daten der Rechner, die man mit diesem Konto benutzt, hinterlegt sind. Da Microsoft einen zwingt dieses Konto zu nutzen, wenn man ihre Office-Lösung nutzen möchte - oder einen anderen Dienst, wie den Microsoft-App-Store, die Xbox-App oder halt auch Mixer, wenn man nicht schon vorher einen Account bei beam hatte. Auf all diese Daten hat jetzt Facebook zugriff. Das wird natürlich dementiert werden - und mir kleinem Licht in der Onlinewelt muss man da keinen Glauben schenken. Wer hier mit der DSVGO um die Ecke kommt... was interessiert zwei Amerikanische Firmen, auf amerikanischem Boden ein europäisches Gesetz? Genau, so viel. Nämlich gar nicht.

Mir tut es um die Streamer leid, die Mixer als eine Art zu Hause gesehen haben, abseits der Toxizität, die auf Twitch herschen kann. Einer der Gründe, warum es auf Mixer familliärer zu ging, war nicht nur die deutlich kleinere Größe, nein, die Gesammtcommunity war friedlicher und Gruppendynamisch auch akzeptierender. Es gab zwar immer mal wieder den 'odd one out', aber im Grunde konnte jeder das Streamen, was er wollte, so lange es nicht gegen die AGB oder gute Sitte verstoßen hat. Von Leuten, die einfach nur einen netten Plausch mit einem gehalten haben (etwas, was zu jener Zeit auf Twitch ein Bann-Grund war, heute seine eigene Kategorie hat) - da fällt mir der leider verstorbene CrankyCanuck ein - #PowerOfTheCoffee. Er war alt, ja, aber er hatte harte Worte übrig für Dinge, die ihn gestörrt haben oder er hat mit einem Dinge diskutiert, die das Leben betrafen. Quasi der Damian von Mixer. Oder die Künstler, sei es Queen Of Art, die mit ihrer sanften Art mir Stunden an Unterhaltung geboten hat oder JordinLaine, die gute Musik macht, hin zu den Gamern - und da gibt es ettliche ettliche die ich gerne mal angeschaut hab. Angefangen bei Keona, mit der ich seit wir gemeinsam auf ChaosChunks Server gespielt haben eine Freundschaft verbindet, über CowboyCave und Choob.

Schade um eine gute Plattform, die in Zeiten der Unruhen, eines der Opfer geworden ist, die man hätte vermeiden können.